Der ehemalige Fußballspieler und -trainer Huub Stevens gibt in seiner Autobiographie Niemals aufgeben Einblicke in seine langjährige, erfolgreiche Karriere. In seinen 16 Jahren als Profifußballer wurde er unter anderem UEFA-Pokal-Sieger mit der PSV Eindhoven; ein Erfolg, den er einundzwanzig Jahre später als Trainer des FC Schalke 04 wiederholen konnte.

Der ehemalige niederl√§ndische Nationalspieler bekleidete allein in Deutschland bei sechs Vereinen den Cheftrainerposten und feierte dabei zahlreiche Erfolge. So wurde er mit dem FC K√∂ln Meister in der zweiten Bundesliga und rettete den VfB Stuttgart gleich zweimal vor dem sicher geglaubten Abstieg in die Zweitklassigkeit. Die vielleicht beste Saison einer seiner Mannschaften war aber eine, an deren Ende eine schwere Niederlage stand. Im Saisonfinale der Spielzeit 2000/01 lieferten sich der FC Schalke und Bayern M√ľnchen ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die deutsche Meisterschaft. Vor dem letzten Spieltag hatten die M√ľnchner die Nase vorn. Schalke musste das letzte Spiel gegen Unterhaching gewinnen und auf einen Patzer der M√ľnchener in Hamburg hoffen. Bei Abpfiff des Spiels im alten Gelsenkirchener Parkstadion standen die Zeichen auf Jubel. Als den Schalker Offiziellen durch Fernsehreporter Rolf Fuhrmann mitgeteilt wurde, die Bayern h√§tten in Hamburg verloren, das Spiel sei vorbei, brach ein Jubelsturm los. Dieser sollte keine f√ľnf Minuten dauern.

Die Information stellte sich bald als falsch heraus: Mitten in die Party der √ľber 70.000 Blauwei√üen wurden auf der Anzeigetafel Livebilder aus Hamburg eingespielt. Dort hatte Schiedsrichter Dr. Markus Merk den Bayern durch eine etwas eigenwillige Entscheidung noch eine letzte gro√üe Chance erm√∂glicht, welche die Mannschaft tats√§chlich nutzte.

Aus war der Traum von der ersten deutschen Meisterschaft f√ľr Schalke seit 1958. Gescheitert. Eigentlich schon im Ziel, und doch noch geschlagen.

Nach dem Spiel fuhr Stevens in seine Schlafstätte ( eigentlich wohnte er weiterhin in Eindhoven) im Wasserschloss Wittringen in Gladbeck, wo er im Restaturant des Schalker Teambetreuers und Maskottchens Charly Neumann untergekommen war. Er trank eine Flasche Wein und ging schlafen.

Eine Woche sp√§ter fand die Saison noch ein teilweise vers√∂hnliches Ende: Gegen Union Berlin holte man im Finale von Berlin den DFB-Pokal. Doch die Entt√§uschung √ľber die verpasste Meisterschaft hallte weiterhin nach.

(pb)

Stevens, Huub: Niemals aufgeben. Göttingen: Die Werkstatt 2017.

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