Eva Kurowski erz√§hlt von ihrer Kindheit im Ruhrgebiet. Umgeben von nahezu dreister Ehrlichkeit, beginnt ihr Leben im St√§dtischen Volkskrankenhaus Essen und Eva w√§chst zun√§chst als kleiner ‚ÄěKawenzmann‚Äú auf. Beeinflusst von ihrem Vater, einem K√ľnstler und Herzenskommunisten, zog sie schon als Kind bei Osterm√§rschen mit und sang Arbeiterlieder. In ihren Erz√§hlungen beschreibt sie s√§mtliche St√§dte des Ruhrgebiets. So beispielsweise Essen, wo sich die Bewohner mit Folkwangschule, Stadtwald und einigen Schl√∂sschen f√ľr etwas Besseres halten, obwohl es in den Wohnsiedlungen genauso dreckig und grau aussieht wie √ľberall und die Bewohner den gleichen ‚ÄěKrupphusten‚Äú (S.16) bekamen, wie der Rest der Bewohner in anderen St√§dten auch.

‚ÄěOberhausen war mit die ehrlichste Stadt von allen.‚Äú (S.16) berichtet Eva Kurowski. Besonders der Kaisergarten in Oberhausen zieht die Aufmerksamkeit auf sich.

„Oberhausen liegt zwar mitten im Ruhrgebiet, hat aber √ľberhaupt keine Ruhr. Stattdessen haben die Oberhausener den gradlinigen Rhein-Herne-Kanal mit der parallel daneben flie√üenden und unwahrscheinlich stinkenden Emscher anzubieten. Wir sagten K√∂ttelbecken, und das stimmte sogar. Die gesamten F√§kalien des Ruhrgebiets flossen als z√§hfl√ľssige Masse dort hinein. M√∂wen flogen √ľber das K√∂ttelbecken und pickten irgendetwas aus der dampfenden Br√ľhe heraus. Das war aber auch romantisch. M√∂wen im F√§kalnebel. Eine ehrliche Romantik.

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Und direkt neben dem Kanal mit dem K√∂ttelbecken lag der wundersch√∂ne Kaisergarten mit rosa Schl√∂sschen und Tierpark. Dort wurden neben Hirschen, Ziegen, Meerschweinchen und Eseln auch W√∂lfe, F√ľchse und Wildschweine gehalten, die mit ihrem strengen Geruch daf√ľr sorgten, dass der auf Erholung angewiesene Oberhausener Malocher die Schei√üe aus der Emscher nicht so stark roch. Daran hat sich bis heute nichts ge√§ndert, blo√ü dass nicht mehr so viel Schei√üe in der Emscher schwimmt.“ (S. 16-17)

(th)

Kurowski, Eva: Gott schmiert keine Stullen. Eine Kindheit zwischen Lenin, Jazz und Leberwurst. Copyright (C) 2012 Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg

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