Pl√∂tzlich steht die Omma vor Biancas T√ľr. Seltsam. Bislang hatte sie Essen eigentlich eher nicht verlassen. Ausnahmen gab es zwar, sie war zum Beispiel mal in D√ľsseldorf, aber normalerweise war sp√§testens an der Grenze des Ruhrgebiets Schluss. Und doch steht sie nun bei Bianca vor der T√ľr. Mitten in Kreuzberg. Zuhause hat sie es nicht mehr ausgehalten, seit dem Tod von Mitzi.

Mitzi hat in Essen mit Omma ein Hotel betrieben. Allerdings kannte die Omma sie bereits aus einem anderen Hotel, einem Stundenhotel. Die Omma war die Wirtschafterin und die Mitzi hat ebenfalls dort gearbeitet, bis der Zuhälter einen plötzlichen Tod fand. So plötzlich wie Mitzi nun.

Noch zur Beerdigung vor wenigen Tagen war Bianca im Ruhrgebiet, genauer gesagt in Hagen. Dort gibt es mit dem Ruheforst eine Art Waldfriedhof, auf dem man die Toten in freier Natur bestatten kann. Nat√ľrlich gab es w√§hrend der Bestattung ein riesiges Theater, als die Omma zu der Urne ein paar Kunststoffblumen ins Grab werfen wollte: Naturschutz!

Die Beerdigung sollte wohl erst einmal der letzte halbwegs ruhige Tag in Biancas Leben gewesen sein.

(pb)

Basener, Anna: Als die Omma den Huren noch die Taubensuppe kochte. Köln: Eichborn 2017.

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